Phalloides-Syndrom

Bei Verdacht auf Knollenblätterpilzvergiftung sollten sie unverzüglich das nächste Krankenhaus aufsuchen!

Auf diesen Vergiftungstyp gehen die meisten tödlichen Pilzvergiftungen zurück. Hauptursache ist dabei die Verwechslung des grünen Knollenblätterpilzes (Amanita phalloides) mit einem Speisepilz. 90% aller Todesfälle gehen auf den Verzehr dieses tödlichen Giftpilzes zurück der mit diversen Speisepilzen verwechselt werden kann.

Giftstoffe und Wirkung

Die Giftstoffe, welche die hier beschriebenen Vergiftungen auslösen werden Amatoxine genannt. Amatoxine werden weder durch Kochen noch durch Trocknen zerstört. Sie hemmen in den Zellen die Synthese der m-RNA (Verdopplung der DNA, Zellteilung) und führen damit zum Tod der Zelle.

Die Giftwirkung der Amanitine ist sehr hoch, die für einen erwachsenen Menschen tödliche Dosis liegt bei 4-8 mg. In einem normalen Fruchtkörper von Amanita phalloides können bis zu 10 mg enthalten sein, weswegen bereits der Verzehr eines einzigen Pilzes lebensgefährlich ist. Amanita virosa und Amanita verna weisen ähnlich hohe Konzentrationen der Gifte auf, die Konzentrationen in den anderen Arten (Galerina- und Lepiota-Arten) sind meist deutlich geringer.

Giftnachweis (unsicher!)

Sie können mit Hilfe des „Lignin-Tests“ Amatoxin in Pilzresten nachweisen. Geben sie dazu Pilze oder Pilzreste auf den unbedruckten Teil einer Tageszeitung (kein Hochglanzmagazin!). Markieren sie die Stelle mit einem Bleistift und lassen sie sie anschließend trocknen. Danach träufeln sie wenige Tropfen 10-20%iger Salzsäure auf die entsprechende Stelle. Nach einigen Minuten stellt sich bei Vorliegen von Amatoxin eine Blauviolettfärbung ein. Die Nachweisgrenze liegt bei ca. 20 µg/ml.

Symptome

Das Hauptkennzeichen einer Amatoxin-Vergiftung ist eine sehr lange symptomfreie Phase nach dem Verzehr der Pilze. Erste Symptome stellen sich in der Regel nach 8 - 24 Stunden ein, je nach verzehrter Pilzmenge. Das erste Symptom ist ein heftiger Brechdurchfall (Übelkeit/Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen, wässrige Durchfälle), der nach ein bis zwei Tagen wieder abklingt.

Ab dem dritten Tag treten die Symptome plötzlich wieder auf, außerdem stellen sich schwere Organschäden ein, die insbesondere die Leber betreffen. Unbehandelt sterben die meisten Menschen nach ca. 5 Tagen an den schweren Leberschädigungen.

Bei frühzeitiger und energischer Behandlung (die am besten sofort nach Auftritt der ersten Symptome einsetzen sollte), sinkt die Letalität einer Amatoxin-Vergiftung auf 10-15 % der Betroffenen. Als erfolgreichste Behandlungsmethode hat sich dabei der Schutz der Leber erwiesen. In sehr schweren Fällen wird eine Lebertransplantation durchgeführt.

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